Kunst und Kultur

 

Programm zur Kommunalwahl 2020, DIE LINKE. Minden

Unsere Freiheit ist auch die Freiheit der Kunst

Kunst und Kultur sind für uns essenzieller Bestandteil des Lebens aller Menschen. Für Künstler*innen und Interessierte wird dadurch eine kritische Auseinandersetzung mit unserem Leben, der Gesellschaft, den Verhältnissen möglich, Diskurse werden eröffnet. Kultureller Austausch sorgt für ein besseres Verständnis untereinander und stärkt damit den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. In der Teilhabe an kulturellen Angeboten erfahren Menschen Gemeinschaft und Identifikation mit dieser – unabhängig von Nationalität.

In künstlerischem Schaffen spiegelt sich die Vielfalt unserer Gesellschaft, Die Prozesse sind nicht zweckgebunden, künstlerische Freiheit ist vom Grundgesetz geschützt und muss überall und immer gewahrt werden. Dieser Grundsatz ist gegen Angriffe rechter Ideologien zu verteidigen.

Ohne Wenn und Aber für die Freiheit der Kunst bedeutet für uns …

  • Förderung von Projekten sowie die Vergabe von Ausschreibungen dürfen nicht davon abhängig gemacht werden, ob die Projekte einen bestimmten Zweck verfolgen oder eine politische Aussage haben.
  • Die Freiheit der Kunst muss geschützt und verteidigt werden. Veranstaltungen, deren Durchführung durch Drohungen verhindert werden sollen, müssen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln geschützt werden.

Kulturelle Bildung und Teilhabe

Jeder Mensch hat ein Recht auf Teilhabe an Kultur. In der Realität sind dennoch Personengruppen in unserem Kreisgebiet häufig von kulturellen Angeboten ausgeschlossen, insbesondere wenn diese kostenpflichtig sind. Das ist nicht hinnehmbar! Zugang zu und Mitwirkung an diesen Angeboten muss allen in Minden lebenden Menschen möglich sein. Für gute Rahmenbedingungen muss die Kommune Sorge tragen.

Wir wollen Kunst und Kultur …

  • integrativ und zugänglich für alle, unabhängig von finanziellen Mitteln Einzelner
  • in ihrer Vielfältigkeit erhalten und fördern
  • in der Bildung verankern

Rahmenbedingung für die Teilhabe müssen sein…

  • freier Eintritt in Theater und Oper für Leistungsbezieher*innen (SGB II, SGB XII, Rentner*innen)
  • kostenfreie Nutzung von Museen und Ausstellungsangeboten im öffentlichen Angebot

Perspektive für die freie Szene

Im Jahr 2004 war unter dem damaligen Spardruck die personelle Besetzung des Kulturbüros auf 1,5 Stellen eingedampft worden, damit war es de facto handlungsunfähig. Mittlerweile sorgt das Kulturbüro wieder für ein breites Angebot an Kultureller Bildung und Teilhabe sowie Vernetzung und Koordination von überregionalen Fördermitteln. Diese wertvolle Arbeit ist nur mit der aktuellen personellen Ausstattung möglich. Hier darf es keinen Rückschritt geben.

Städtische Bibliotheken, Museen, das Theater und weitere Veranstaltungsorte sind nur ein Baustein im kulturellen Leben unserer Stadt. Die vielfältige freie Kulturszene in Minden ist gemessen an der Größe der Stadt sehr beeindruckend. Die Aktivitäten geht über städtische Angebote und den rein kommerziellen Kulturkonsum hinaus. Die freie Szene leistet einen wichtigen Beitrag zur Verständigung und schafft kulturelle, städtische Identität.

Nachdem 2004 die städtische Förderung beinahe komplett zusammengebrochen war und die Aufgaben für Kunst und Kultur in die Minden Marketing ausgelagert wurden, hat sich die Situation in den letzten Jahren – auch auf Druck der Kulturschaffenden – verbessert. Die finanziellen Folgen der Corona-Pandemie für den kommunalen Haushalt sind noch nicht absehbar, aber Mehrbelastungen und in der Folge erneuter Finanzdruck sind mehr als wahrscheinlich.

Städtische Kulturinstitute müssen Tabu sein, wenn es darum geht den Rotstift anzusetzen. Gleichzeitig muss der freien Mindener Kulturszene konkrete, kommunale Unterstützung zugesichert und eine klare Perspektive gegeben werden. Es darf keinen Rückfall in 2004 geben!

Rahmenbedingungen für kommunale Kulturarbeit müssen sein…

  • Erhalt öffentlicher Bibliotheken, Theater, Archive und Museen
  • nachhaltige und auskömmliche Finanzierung des Kultursektors
  • kein Stellenabbau im Kulturbüro
  • klare Perspektiven für die freie Kulturszene durch langfristige Förderzusagen wiederkehrender, fest verankerter Events der freien Szene
  • Festanstellung von Künstler*innen in städtischen Institutionen mit kulturellen Aufgaben, statt ausschließlicher Projektförderung
  • Bereitstellung von Ausstellungs- und Proberäumen für die freie Szene
  • geschlechtergerechte Besetzung aller Stellen im Kultursektor sowie Lohnfairness zwischen Frauen und Männern bei gleichwertiger Arbeit

Erinnerungskultur

Orte des Erinnerns an Faschismus und Diktatur, an Verbrechen gegen die Menschlichkeit müssen sichtbar bleiben und im Leben der Gegenwart präsent und lebendig sein. Initiativen und Vereine, die hier wertvolle Arbeit leisten, müssen unterstützt und gestärkt werden.

Die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte unseres Landes fängt nicht erst 1933 an. Für beide Weltkriege sowie den Nationalsozialismus waren Preußentum und die Wilhelminische Zeit Wegbereiter. In der Haltung zum Preußischen Erbe der Stadt fehlt uns dieser kritische Blick. Das LWL Besucherzentrum am Kaiser Wilhelm Denkmal wird dieser Aufgabe nicht gerecht, in Minden findet eine kritische Auseinandersetzung selten statt. Die Politik ist in der Verantwortung für dieses wichtige Mindener Thema eine mehrdimensionale Erinnerungskultur zu schaffen. Bildungsangebote für Schulen und Erwachsene für dieses Thema müssen initiiert werden. Die Kooperation den Mindener Museum mit dem LWL Preußenmuseum ist in dieser Hinsicht wünschenswert.

Die finanzielle Beteiligung der Stadt Minden am Bundesprojekt Lokalen Aktionsplan (Verein Minden – Für Demokratie und Vielfalt e. V.) muss Bestand haben und fortgesetzt werden.

Aktiv und engagiert für eine langfristige Verankerung der Erinnerungskultur

  • Stärkung von Initiativen, die sich aktiv für Erinnerungskultur einsetzen.
  • Initiative ergreifen für eine kritische Erinnerungskultur mit dem Preußischen Erbe der Stadt.

Wertschätzung

In der Vergangenheit hat die Stadt Minden Kunstobjekte und Skulpturen erworben und hat damit die Sorgfaltspflicht für diese. Die Stadt muss zu diesen Objekten stehen und dieser Verantwortung nachkommen. Wo Akzeptanz fehlt, müssen Angebote für kulturelle Bildung zum Verständnis geschaffen werden. Alle Skulpturen sind gleichrangig zu behandeln. Ganz gleich ob es sich um ein Denkmal des Kurfürsten, ein Mahnmal für die Opfer des Faschismus oder anderes handelt, müssen sie gepflegt und mit Wertschätzung behandelt werden.

Zur Verantwortung stehen und sie wahrnehmen

  • Pflege und Instandhaltung von Skulpturen und Orten der Erinnerung im öffentlichen Raum, unabhängig von ihrer Beliebtheit; Förderung des intellektuellen Zugangs durch Bildungsangebote.